Vorstellung


Vorstellung

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Vor|stel|lung ['fo:ɐ̯ʃtɛlʊŋ], die; -, -en:
1. das Vorstellen, Bekanntmachen; das Sichvorstellen:
seine persönliche Vorstellung, die Vorstellung der neuen Mitarbeiter fand um 9 Uhr statt.
2. Aufführung (eines Stücks, eines Films o. Ä.):
nach der Vorstellung gingen wir nach Hause.
Syn.: Darbietung, Schau, Show.
Zus.: Abendvorstellung, Abschiedsvorstellung, Galavorstellung, Gastvorstellung, Kindervorstellung, Nachmittagsvorstellung, Spätvorstellung, Theatervorstellung, Zirkusvorstellung.
3. in jmds. Bewusstsein auftretendes, nicht auf unmittelbarer Wahrnehmung beruhendes Abbild der Wirklichkeit; Bild, das sich jmd. in seinen Gedanken von etwas macht:
er hat seltsame Vorstellungen von diesem Ereignis; das entspricht meinen Vorstellungen; das existiert nur in deiner Vorstellung.
Syn.: Eindruck, Gedanke.
Zus.: Gehaltsvorstellung, Idealvorstellung, Klischeevorstellung, Moralvorstellung, Wunschvorstellung, Zielvorstellung, Zukunftsvorstellung, Zwangsvorstellung.

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Vor|stel|lung 〈f. 20
I 〈zählb.〉
1. das Vorstellen
2. das Sichvorstellen
3. Begriff, Gedanke, Bild im Bewusstsein
4. 〈Theat.; FilmAufführung, Darbietung
5. 〈fig.; geh.〉 Einwand, Ermahnung, Vorhaltung
● die \Vorstellung beginnt, endet um 20 Uhr; eine \Vorstellung geben 〈Theat.〉; ich habe davon keine \Vorstellung; du machst dir keine \Vorstellung, wie schwer das für mich ist; jmdm. \Vorstellungen machen jmdn. tadeln, ermahnen; sich eine \Vorstellung von etwas machen; du machst dir keine \Vorstellung von seinem Reichtum du ahnst nicht, wie reich er ist ● erste, zweite, letzte \Vorstellung; geschlossene, öffentliche \Vorstellung; eine klare, unklare, deutliche, undeutliche, verschwommene \Vorstellung von etwas haben ● eine \Vorstellung am Nachmittag, am Abend
II 〈unz.〉 der Bereich des Bewusstseins, in dem sich Vorstellungen (I.3) bilden ● in meiner \Vorstellung sieht das völlig anders aus

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Vor|stel|lung , die; -, -en:
1.
a) das Vorstellen, Bekanntmachen:
die V. der Kandidaten, eines neuen Mitarbeiters;
würden Sie bitte die V. übernehmen?;
Ü die V. ihres neuen Romans auf der Messe;
b) das ↑ Sichvorstellen (4 b):
einen Bewerber zu einer persönlichen V. einladen.
2.
a) Bild, das sich jmd. in seinen Gedanken von etw. macht, das er gewinnt, indem er sich eine Sache in bestimmter Weise ↑ vorstellt (7):
eine schöne, komische, schreckliche, schlimme, abwegige, naive V.;
die bloße V. begeistert mich schon;
heidnische, christliche, religiöse -en;
sich völlig falsche -en von etw. machen;
du machst dir keine V. (du ahnst ja gar nicht), wie unverschämt er ist;
klare, deutliche -en von etw. haben;
sich nur eine vage V. von etw. machen können;
sein Bericht hat mir eine [ungefähre] V. gegeben, wie die Lage ist;
er entspricht genau der landläufigen V. von einem Unternehmer;
du musst dich mal von der V. (dem Glauben) frei machen, dass …;
b) <o. Pl.> Fantasie, Einbildung:
das existiert nur in deiner V.;
das geht über alle V. (alles Vorstellungsvermögen) hinaus.
3. Aufführung (eines Theaterstücks o. Ä.), Vorführung eines Films o. Ä.:
eine V. für wohltätige Zwecke;
die V. dauert [einschließlich Pause] etwa zwei Stunden, ist gerade zu Ende, fällt aus;
die letzte V. des Films beginnt schon um 19 Uhr;
eine V. besuchen, stören, abbrechen, absagen, beenden;
der Zirkus gibt täglich zwei -en;
V. haben (als Schauspieler o. Ä. bei einer Vorstellung auftreten müssen);
Ü die Mannschaft gab eine starke, schwache V. (Sportjargon; spielte gut, schlecht);
er hat in unserem Betrieb nur eine kurze V. gegeben (scherzh.; war nur kurze Zeit hier beschäftigt).
4. <meist Pl.> (geh.) Einwand, Vorhaltung:
der Arzt machte ihm -en, weil er sich nicht an seine Diät gehalten hatte.

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I
Vorstellung,
 
1) Arbeitsrecht: das mit dem Zweck der Begründung eines Arbeitsverhältnisses erfolgende Aufsuchen eines Arbeitgebers durch einen Arbeit suchenden Arbeitnehmer, begleitet von einem Vorstellungsgespräch zwischen den Beteiligten und der Vorlage persönlicher Unterlagen, die der Bewerbung förderlich sein sollen. Häufig wird der Bewerber im Rahmen der Vorstellung mit verschiedenen Eignungstests konfrontiert. Kommt ein Arbeitsvertrag nicht zustande, ist der Arbeitgeber verpflichtet, über die im Rahmen der Vorstellung gewonnenen Erkenntnisse Stillschweigen zu bewahren, Bewerbungsunterlagen unverzüglich zurückzugeben sowie Testergebnisse zu vernichten. Erfolgt die Vorstellung auf Veranlassung des Arbeitgebers (also nicht bei bloßem Melden auf Zeitungsannoncen oder Zuweisung durch das Arbeitsamt), sind gemäß § 670 BGB dem Bewerber die notwendigen Auslagen (Fahrt-, Verpflegungs-, Übernachtungskosten) zu ersetzen.
 
 2) Philosophie und Psychologie: griechisch Phantasịa, lateinisch Percẹptio, Repraesentatio, anschauliche seelische Inhalte, die Erinnerungsbilder früherer Wahrnehmungen sind oder deren Bestandteile (als Fantasiebilder) neu kombinieren. Eine Vorstellung haben meint, sich etwas versinnbildlichen, wörtlich sich etwas vor-stellen, z. B. vor ein »inneres Auge«. Die Vorstellung ist in der Regel ein Bewusstseinsbild, das einen Wahrnehmungsinhalt in Ähnlichkeit abzubilden bestrebt ist. Jede Vorstellung ist demnach der Versuch des Bewusstseins, sich die Wirklichkeit mit ihr nicht selbst eigenen Mitteln anzueignen. Als idealer Grenzwert gilt die »adäquate Vorstellung« (E. Husserl). Kennzeichnend für die Vorstellung, die in der Regel undeutlicher, blasser und weniger detailliert ist als eine reale Wahrnehmung, ist das Wissen darum, dass das Vorgestellte nicht real gegenwärtig ist (im Unterschied zur Halluzination). Allerdings kann ihre Anschaulichkeit in Konkretheit und Deutlichkeit auch einer realen Wahrnehmung vergleichbar sein, v. a. bei den »subjektiven Anschauungsbildern« der Eidetiker. Das Auftauchen von Vorstellungsinhalten im Bewusstsein vollzieht sich meist nicht isoliert, sondern ausgelöst durch Wahrnehmungen und im Zusammenhang mit anderen »Bildern«. Den einzelnen Sinnesgebieten entsprechend lassen sich optische (visuelle), akustische (auditive), kinästhetische (motorische), taktile (Berührungs-) und gustatorische (Geschmacks-)Vorstellung oder gemischte Vorstellung unterscheiden. Das Vorstellen spielt eine in der Psychologie unterschiedlich eingeschätzte Rolle beim Problemlösen und Denken, indem Zeichen oder Begriffe in der Vorstellung verbunden und damit anschaulich werden und ein Rückbezug zur konkreten Wirklichkeit hergestellt wird.
 
In der Philosophie werden 1) der Akt des Vorstellens, 2) das Vorgestellte als Gegenstand materieller oder geistiger, singulärer oder genereller Art unterschieden. Im engeren Sinn ist Vorstellung vom Gedanken und Begriff v. a. durch das Moment der sinnlichen Anschauung unterschieden. Im weiteren Sinn ist jeder auf ein intendiertes (reales oder irreales) Objekt bezogene Bewusstseinsinhalt von relativer Geschlossenheit eine Vorstellung. Theorien über die Vorstellung haben schon in der früheren Geschichte der Philosophie und Psychologie (J. Locke, D. Hume, G. W. Leibniz, J. F. Herbart) eine wichtige Rolle gespielt, um das geistige Leben als Verarbeitung sinnlicher Erfahrung in seinen Prozessen, Gesetzmäßigkeiten und Ordnungsprinzipien zu erklären. Eine zentrale Stellung nimmt der Begriff Vorstellung in der Erkenntnislehre A. Schopenhauers ein (die Welt als Vorstellung des Subjekts).
 
 3) Theater, Film und a: die Aufführung eines Bühnenwerks, die Vorführung eines Films u. Ä.
II
Vorstellung,
 
anschauliche seelische Inhalte, die Erinnerungsbilder früherer Wahrnehmungen sind oder deren Bestandteile (als Fantasiebilder) neu kombinieren. Eine Vorstellung haben meint, sich etwas versinnbildlichen, wörtlich sich etwas vor-stellen, z. B. vor einem »inneren Auge«. Die Vorstellung ist im Allgemeinen ein Bewusstseinsbild, das einen Wahrnehmungsinhalt möglichst ähnlich abzubilden bestrebt ist und demnach den Versuch des Bewusstseins darstellt, sich die Wirklichkeit mit ihr fremden Mitteln anzueignen.
 
In der Regel undeutlicher, blasser und weniger detailliert als eine reale Wahrnehmung, ist die Vorstellung durch das Wissen gekennzeichnet, dass das Vorgestellte nicht real ist (im Unterschied zur Halluzination). Allerdings kann ihre Anschaulichkeit so konkret und deutlich wie eine reale Wahrnehmung sein. Vorstellungsinhalte tauchen im Bewusstsein meist nicht isoliert auf, sie werden vielmehr durch Wahrnehmungen ausgelöst oder entstehen im Zusammenhang mit anderen »Bildern«. Den einzelnen Sinnesgebieten entsprechend lassen sich optische (visuelle), akustische (auditive), kinästhetische (motorische), taktile und gustatorische (Geschmacks-)Vorstellung und gemischte Vorstellung unterscheiden.
 
In der Psychologie spielen Vorstellungsakte beim Problemlösen und Denken eine Rolle, indem Zeichen oder Begriffe in der Vorstellung verbunden, damit anschaulich werden und somit den Rückbezug zur konkreten Wirklichkeit ermöglichen.
 
In der Philosophie werden zum einen der Akt des Vorstellens, zum anderen das Vorgestellte als Gegenstand materieller oder geistiger, singulärer oder genereller Art unterschieden und vom Gedanken und Begriff v. a. durch das Moment der sinnlichen Anschauung abgegrenzt. Im weiteren Sinne ist jeder auf ein intendiertes (reales oder irreales) Objekt bezogene, relativ geschlossene Bewusstseinsinhalt eine Vorstellung.
 
Theorien über die Vorstellung haben in Philosophie (J. Locke, D. Hume, G. W. Leibniz, J. F. Herbart) und Psychologie schon vergleichsweise früh eine wichtige Rolle gespielt, um das geistige Leben als Verarbeitung sinnlicher Erfahrung in seinen Prozessen, Gesetzmäßigkeiten und Ordnungsprinzipien zu erklären.

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Vor|stel|lung, die; -, -en: 1. a) das Vorstellen, Bekanntmachen: die V. der Kandidaten, eines neuen Mitarbeiters; würden Sie bitte die V. übernehmen?; ich habe Ihren Namen bei der V. nicht verstanden; Ü die V. ihres neuen Romans auf der Messe; Für den Wagen gab es schon vor seiner V. rund 4 000 feste Bestellungen (Hamburger Abendblatt 12. 5. 84, 25); b) das Sichvorstellen (4 b): einen Bewerber zu einer persönlichen V. einladen; kommen Sie bitte morgen zur V. in mein Büro; denn auf ein Inserat hatte sie sich gemeldet und war zur V. aufgefordert worden im Hause, in dem sie wohnte (Gaiser, Schlußball 45). 2. a) Bild, das sich jmd. in seinen Gedanken von etw. macht, das er gewinnt, indem er sich eine Sache in bestimmter Weise vorstellt (7): eine schöne, komische, schreckliche, schlimme, abwegige, naive V.; heidnische, christliche, religiöse -en; die bloße V. begeistert mich schon; Seitdem geistert in der Welt die V. umher, der Mensch sei mit seiner Arbeitskraft weitestgehend überflüssig geworden (Gruhl, Planet 58); ist das nicht eine furchtbare V.?; sich völlig falsche -en von etw. machen; du machst dir keine V. (du ahnst ja gar nicht), wie unverschämt er ist; klare, deutliche -en von etw. haben; sich nur eine vage V. von etw. machen können; sein Bericht hat mir eine [ungefähre] V. gegeben, wie die Lage ist; seine Mitteilung erweckte in mir die V., dass bald etwas geschehen würde; er entspricht genau der landläufigen V. von einem Unternehmer; du musst dich mal von der V. (dem Glauben) frei machen, dass ...; b) <o. Pl.> Fantasie, Einbildung: das existiert nur in deiner V.; ... die den Tod nur deshalb nicht fürchten können, weil sie zu wenig V. (Vorstellungskraft) besitzen (Gaiser, Jagd 137); Es war höchste Zeit, dass ich diesen Begriff „schwieriger Charakter“ aus ihrer V. (ihrem Denken) wegwischte (Nossack, Begegnung 91); das geht über alle V. (alles Vorstellungsvermögen) hinaus. 3. Aufführung (eines Theaterstücks o. Ä.), Vorführung eines Films o. Ä.: eine V. für wohltätige Zwecke; die V. dauert [einschließlich Pause] etwa zwei Stunden, ist gerade zu Ende, fällt aus; wegen der Überlänge des Films beginnt die letzte V. schon um 19 Uhr; eine V. besuchen, stören, abbrechen, absagen, beenden; der Zirkus gibt täglich zwei -en; V. haben (als Schauspieler o. Ä. bei einer Vorstellung auftreten müssen); Ü ... und Tumun gab eine große V. zum Besten, indem sie herumstolzierte wie ein Mann, wie ein Prinz in der Theatervorstellung (Baum, Bali 279); die Mannschaft gab eine starke, schwache V. (Sport Jargon; spielte gut, schlecht ); er hat in unserem Betrieb nur eine kurze V. gegeben (scherzh.; war nur kurze Zeit hier beschäftigt ). 4. <meist Pl.> (geh.) Einwand, Vorhaltung: der Arzt machte ihm -en, weil er sich nicht an seine Diät gehalten hatte; Diese Sache zwang Ulrichs Anwalt, ... ernsthafte -en zu erheben (Musil, Mann 1373).

Universal-Lexikon. 2012.

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